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C O N T E N T
„Germany 10 points“

Der Leid-Artikel


Wenige Tage vor der Wahl des Bundespräsidenten. „Bei ‚Deutschland sucht den Bundespräsidenten’“, sagt der Scherzkeksreporter und hält einem jungen Mann im grünen T-Shirt das Mikro unter die Nase, „tritt am Sonntag Horst Köhler gegen Gesine Schwan an. Wie heißt denn die Gegenkandidatin von Horst Köhler?“ Der junge Mann im grünen T-Shirt zuckt mit den Achseln. „Tut mir leid, das weiss ich jetzt nicht.“ Auch die Frau mit der Dauerwelle und der Junge mit den lustigen Luftballons auf dem Kopf können die Frage leider nicht beantworten. Dafür wissen sie, dass der Bundespräsident etwas weniger Macht hat als der König von Deutschland und tippen darauf, dass wir bei der Telefonabstimmung zur Wahl zehn Punkte von Österreich bekommen wird.
Ja, Deutschland ferplödet. Hat man oft gehört in letzter Zeit, seit dieser ominösen Pisa-Studie. Mittlerweile mögen so einige Leute vergessen haben, dass Pisa für sie einmal, in ferner Vergangenheit, zuallererst eine Stadt in Italien war – zur Erinnerung: das ist die mit dem schiefen Turm. Man hat das alles vielleicht sogar zu oft gehört, hat sich richtiggehend satt gehört an Bildungsmisere, den Klagen über Deutschlands schlechte Schulen, der Leseschwäche der Schüler, der Forderung nach mehr Förderung. Vielleicht hielt man die ganzen Debatten auch schon für die üblichen Wiederholungen im Fernsehen.
Dann jedoch, vor nicht allzu langer Zeit, der nächste Schock: Jungen sind dümmer als Mädchen! Zumindest, wenn Jungen und Mädchen zusammen unterrichtet werden. Das schreibt der SPIEGEL, und was der SPIEGEL schreibt, das stimmt ja schließlich. Mädchen schnitten in gemischten Klassen in allen Fächern, einschließlich Naturwissenschaften und Mathematik, besser ab. Landläufige Vorurteile wurden von einem Tag auf den anderen entkräftet. Deutschland war erschüttert. (Nun, zumindest hätte es das sein sollen)
Aber Moment: Hier bieten sich doch erstklassige Chancen, der Bildungsmisere entgegen zu wirken! Die Bundesregierung, die schon nach der Pisa-Studie folgerichtig uns logisch handelte – nämlich indem sie einsparte. Im Bildungssektor - bekommt hier die einmalige Möglichkeit, wirklich effektiv etwas gegen die Volksferplödung zu tun. Durch die gezielte Förderung der Förderungswürdigen, sprich: der Mädchen. Die Schulpflicht für Jungen wird einfach aufgehoben – bringt ja eh nichts. Auf einen Schlag spart sich der Staat dadurch einige Lehrerstellen, langfristig auch Dozentenstellen, kann eventuell ein paar Schulen und Universitäten ganz schließen, dadurch fallen noch Verwaltungskosten weg und auch die Stelle der Frauenbeauftragten an Hochschulen würde damit überflüssig. Die ganzen Jungen sitzen natürlich nicht faul zu Hause, sondern treten mit 10 Jahren in das Arbeitsleben ein, als Hilfskräfte, und leisten somit ihren sinnvollen Beitrag zur Volkswirtschaft. Mädchen dagegen bekommen eine wirklich erstklassige Ausbildung durch kleinere Klassen, weniger gestresste LehrerInnen und geschlechtsspezifischen Unterricht. Im nächsten weltweiten „Schüler-Ranking“ steht Deutschland so mindestens unter den ersten Fünf. Der gute Ruf des Landes der Dichterinnen und Denkerinnen ist gerettet.
Jetzt mag man einwenden, dass diese super ausgebildeten Mädchen doch sicher noch weniger Lust hätten, irgendwann Kinder zu bekommen und dass durch dieses Modell die Überalterung der Gesellschaft vorangetrieben würde. Mag ja stimmen – aber ein bisschen Arbeit muss schließlich auch den zukünftigen Bundesregierungen überlassen werden!

PS: Der Bundespräsident wurde natürlich nicht im Telefonvoting bestimmt. Den wählte immer noch die BUndesversammlung (zumindest noch dieses Jahr). Und Horst Köhlers Gegenkandidatin hieß... Gesine Schwan!
Hätten Sie’s gewusst?

Zuerst veröfentlicht im NERV SoSe 2004
13.1.06 15:26
 


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