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C O N T E N T
NERV

Es wird finster in unserem Land.


Wir beherbergen ?Unheimliche G?ste?, die ?Parallelgesellschaften? bilden ? so titelte zumindest der Focus am 22. November. Gemeint waren muslimische Mitb?rger. Eine Woche zuvor hatte bereits der Spiegel ? Deutschlands gro?es, unabh?ngiges Nachrichtenmagazin, das sich in letzter Zeit durch unsachliche, einseitige Artikel und die Promotion wenig aussagekr?ftiger Online-Umfragen als ?Bildzeitung der Intellektuellen? positioniert ? den Islam als frauenverachtende und gewaltt?tige Glaubensrichtung dargestellt. Ein gewisser Eckhard Kiwitt bezeichnete daraufhin die muslimische Religion in einem Leserbrief wie folgt: ?...l?cherlicher, archaischer und auf b?sartige Weise intoleranter Aberglaube...?. Wahrscheinlich war es nicht die Absicht der verantwortlichen Redakteure, mit ihrem Artikel solche Reaktionen hervorzurufen (und ?ber die intellektuellen F?higkeiten des Briefschreibers ist damit wohl alles gesagt.) Dennoch lie? es sich der Spiegel nicht nehmen, in der selben Ausgabe einen Bericht ?ber muslimische ?Hassprediger? zu ver?ffentlichen.



Zur Klarstellung: Angst vor Terrorismus ist heute leider nicht unbegr?ndet. Dass es unter den Muslimen Fundamentalisten gibt, die vor Gewalt nicht zur?ckschrecken, ist eine traurige Tatsache. Religi?s motivierte Morde sind verabscheuensw?rdig - besonders, da sie von einem falsch verstandenen Glauben sprechen: Der Islam (wie auch Christentum, Judentum und andere Weltreligionen) untersagt das T?ten und predigt Frieden, Toleranz und N?chstenliebe. Trotzdem kann man Gewalttaten nicht leugnen. Au?erdem sind viele Muslime in Europa keineswegs integriert ? von Deutschland zum Beispiel als Multi-Kulti-Gesellschaft zu sprechen, halte auch ich f?r naiv.



Eine undifferenzierte Darstellung in den Medien, vor allem auch in angeblich seri?sen Publikationen, schafft allerdings einen N?hrboden f?r ?ngste und Vorurteile. Leser und Fernsehzuschauer sind nun mal geneigt, den Berichten zu glauben ? besonders wenn, wie in letzter Zeit, fast alle Berichte die selbe Sprache sprechen. Eine differenziertere Meinungsbildung wird fast unm?glich ? nicht jeder hat die M?glichkeit, sich mit muslimischen Bekannten auseinander zu setzen, eine Moschee zu besuchen oder den Koran zu lesen. Gut, eigentlich h?tte schon jeder die M?glichkeit, aber sein wir realistisch, die Wenigsten tun es.



So wird es auf einmal erschreckend einfach, Urteile zu f?llen: Jede, die ein Kopftuch tr?gt, wird unterdr?ckt, tut sie es freiwillig, ist sie radikal; jeder gl?ubige Moslem ist auch ein Islamist. Das h?rt man, das sieht man, das liest man, und zwar nicht bei RTL II oder in der Bild (Sorry an deren Redakteure, aber gerade diese beiden Medien haben nun mal einen gewissen Ruf), sondern im Focus, im Spiegel, bei Spiegel TV.

Die Presse tr?gt eine gro?e Verantwortung, ist sie doch das gr??te Instrument zur Meinungsbildung ?berhaupt. Gerade in einer Zeit, in der aus Intoleranz und Vorurteilen gemordet wird, in der religi?se Ausrichtungen nicht unwesentlich an der Entstehung von neuen Kriegen beteiligt sind und in der national ausgerichtete Parteien wieder Einzug in Landtage und Parlamente halten, ist es ?beraus verantwortungslos, durch unsensible Berichterstattung der Bildung von Vorurteilen Vorschub zu leisten.



Dazu muss gesagt werden, dass alle genannten Artikel und TV-Berichte nicht vollkommen einseitig sind ? irgendwo wird schon differenziert: in Nebens?tzen, kurzen, zu schnell ?berlesenen Einsch?ben. Was bei den Meisten h?ngen bleibt, ist allerdings der Tenor.

Und der gibt mir zu denken. Die Entwicklungen machen mir Angst. Angst, wie beeinflussbar sich Leser und Fernsehzuschauer zeigen, Angst, wie weit ein Teil der Presse dieses Spielchen noch treiben will. Angst, welche Aggressionen hier von allen Seiten hervor brechen. Gleichzeitig finde ich es schade, traurig und be?ngstigend, dass die Menschen scheinbar nicht in der Lage sind, aus der Geschichte zu lernen ? selbst, wenn diese Geschichte gerade mal 60 Jahre zur?ckliegt. In Holland und Deutschland brennen bereits die ersten Moscheen.



Zuerst erschienen im "NERV", der Zeitschrift f?r politische und kulturelle Bildung an der Universit?t Hildesheim



10.1.05 19:24


„Germany 10 points“

Der Leid-Artikel


Wenige Tage vor der Wahl des Bundespräsidenten. „Bei ‚Deutschland sucht den Bundespräsidenten’“, sagt der Scherzkeksreporter und hält einem jungen Mann im grünen T-Shirt das Mikro unter die Nase, „tritt am Sonntag Horst Köhler gegen Gesine Schwan an. Wie heißt denn die Gegenkandidatin von Horst Köhler?“ Der junge Mann im grünen T-Shirt zuckt mit den Achseln. „Tut mir leid, das weiss ich jetzt nicht.“ Auch die Frau mit der Dauerwelle und der Junge mit den lustigen Luftballons auf dem Kopf können die Frage leider nicht beantworten. Dafür wissen sie, dass der Bundespräsident etwas weniger Macht hat als der König von Deutschland und tippen darauf, dass wir bei der Telefonabstimmung zur Wahl zehn Punkte von Österreich bekommen wird.
Ja, Deutschland ferplödet. Hat man oft gehört in letzter Zeit, seit dieser ominösen Pisa-Studie. Mittlerweile mögen so einige Leute vergessen haben, dass Pisa für sie einmal, in ferner Vergangenheit, zuallererst eine Stadt in Italien war – zur Erinnerung: das ist die mit dem schiefen Turm. Man hat das alles vielleicht sogar zu oft gehört, hat sich richtiggehend satt gehört an Bildungsmisere, den Klagen über Deutschlands schlechte Schulen, der Leseschwäche der Schüler, der Forderung nach mehr Förderung. Vielleicht hielt man die ganzen Debatten auch schon für die üblichen Wiederholungen im Fernsehen.
Dann jedoch, vor nicht allzu langer Zeit, der nächste Schock: Jungen sind dümmer als Mädchen! Zumindest, wenn Jungen und Mädchen zusammen unterrichtet werden. Das schreibt der SPIEGEL, und was der SPIEGEL schreibt, das stimmt ja schließlich. Mädchen schnitten in gemischten Klassen in allen Fächern, einschließlich Naturwissenschaften und Mathematik, besser ab. Landläufige Vorurteile wurden von einem Tag auf den anderen entkräftet. Deutschland war erschüttert. (Nun, zumindest hätte es das sein sollen)
Aber Moment: Hier bieten sich doch erstklassige Chancen, der Bildungsmisere entgegen zu wirken! Die Bundesregierung, die schon nach der Pisa-Studie folgerichtig uns logisch handelte – nämlich indem sie einsparte. Im Bildungssektor - bekommt hier die einmalige Möglichkeit, wirklich effektiv etwas gegen die Volksferplödung zu tun. Durch die gezielte Förderung der Förderungswürdigen, sprich: der Mädchen. Die Schulpflicht für Jungen wird einfach aufgehoben – bringt ja eh nichts. Auf einen Schlag spart sich der Staat dadurch einige Lehrerstellen, langfristig auch Dozentenstellen, kann eventuell ein paar Schulen und Universitäten ganz schließen, dadurch fallen noch Verwaltungskosten weg und auch die Stelle der Frauenbeauftragten an Hochschulen würde damit überflüssig. Die ganzen Jungen sitzen natürlich nicht faul zu Hause, sondern treten mit 10 Jahren in das Arbeitsleben ein, als Hilfskräfte, und leisten somit ihren sinnvollen Beitrag zur Volkswirtschaft. Mädchen dagegen bekommen eine wirklich erstklassige Ausbildung durch kleinere Klassen, weniger gestresste LehrerInnen und geschlechtsspezifischen Unterricht. Im nächsten weltweiten „Schüler-Ranking“ steht Deutschland so mindestens unter den ersten Fünf. Der gute Ruf des Landes der Dichterinnen und Denkerinnen ist gerettet.
Jetzt mag man einwenden, dass diese super ausgebildeten Mädchen doch sicher noch weniger Lust hätten, irgendwann Kinder zu bekommen und dass durch dieses Modell die Überalterung der Gesellschaft vorangetrieben würde. Mag ja stimmen – aber ein bisschen Arbeit muss schließlich auch den zukünftigen Bundesregierungen überlassen werden!

PS: Der Bundespräsident wurde natürlich nicht im Telefonvoting bestimmt. Den wählte immer noch die BUndesversammlung (zumindest noch dieses Jahr). Und Horst Köhlers Gegenkandidatin hieß... Gesine Schwan!
Hätten Sie’s gewusst?

Zuerst veröfentlicht im NERV SoSe 2004
13.1.06 15:26


Nachgefragt Abend des StuPas der Uni Hildesheim

?Kann ich mir meine Bildung noch leisten?? - Kaum eine Frage bewegt im Moment die Studierenden hierzulande mehr. Die deutsche Politik diskutiert ?ber Geb?hren f?r das Erststudium, wie die Fakten aussehen, wissen aber viele der Betroffenen ? also der Studis ? nicht.
Deswegen veranstalten das Studierendenparlament und der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni Hildesheim im Wintersemester drei Informationsabende mit dem Titel ?Nachgefragt?. Interessierte Studierende sollen Hintergrundinfos bekommen und die Gelegenheit erhalten, mit Sachverst?ndigen ?ber die jeweiligen Fragen zu diskutieren. Letzten Mittwoch ging es also um das Thema Studiengeb?hren und Bildungsfinanzierung.

Als Sachverst?ndige stellten sich Johannes Flosbach, Mitglied im Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS, CDU-Hochschulgruppe) K?ln, und Steffen Krach vom Bundesvorstand der JuSo-Hochschulgruppen den kritischen Fragen der Studierenden. Zu Beginn erkl?rte die Referentin f?r Hochschulpolitik aussen im AStA, Tamara Krings, die verschiedenen Studiengeb?hren- und Studienkonten-Modelle der Bundesparteien. Geb?hren m?ssen bereits w?hrend des Studiums gezahlt werden. Beim Modell der Studienkonten kann der Studierende zun?chst eine gewisse Anzahl an Semestern ?abstudieren?, bevor er zahlen muss.

In der anschlie?enden Diskussion legten die beiden Vertreter der Hochschulgruppen ihre Positionen dar. Johannes Flosbach sprach sich dabei f?r Studiengeb?hren aus. Allerdings d?rfe sich der Staat nicht aus der Bildungsfinanzierung zur?ckziehen. Flosbach forderte eine ?berarbeitung des Stipendienwesens. Au?erdem m?ssten die durch Geb?hren eingenommenen Gelder direkt an die Hochschulen flie?en. Laut Flosbach soll es ? angereizt eben auch durch Studiengeb?hren ? zu einem st?rkeren Wettbewerb der Hochschulen kommen: ?Die Hochschulen m?ssen sich wieder mehr um den einzelnen Studenten bem?hen.?

Steffen Krach berief sich in seiner Argumentation auf die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks. ?Nur elf von hundert Kindern aus einkommensschwachen Familien studieren,? erkl?rte er. ?Deutschland hat damit die h?chste soziale Selektivit?t im Bildungssektor?. Studiengeb?hren w?rden diesen Zustand nur weiter verschlechtern. Ziel der Politik m?sse stattdessen eine Erh?hung der sozialen Leistungen sein sowie eine ?berarbeitung des Steuersystems: ?Wer mehr verdient, soll auch mehr Steuern zahlen.? Zum Schluss seines Vortrages machte Krach noch einmal deutlich: ?Studiengeb?hren halten wir f?r den falschen Weg.?
Der n?chste Infoabend findet am 15.12. um 18.00 Uhr in der Uni Hildesheim statt, Titel: ?Nachgefragt: Studentische Mitbestimmung ? was kann ich tun??.




13.1.06 15:21


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