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C O N T E N T
das interkulturelle dilemma und die cyberpolitik

wenn es doch tatsächlich so einfach wäre, dass man die welt in kulturdimensionen aufteilen könnte, wenn man menschliches verhalten anhand von 5 oder auch 14 säuberlich abgesteckten thesen veranschaulichen könnte, die sich praktisch mit kleinen fähnchen auf eine weltkarte stecken ließen - hohe unsicherheitsvermeidung, rotes fähnchen, hier, niedrige machtdistanz, blaues fähnchen, dort, da drüben gibt es so wenige schriftliche gesetze, weil die kultur so wahnsinnig HIGH CONTEXT ist - die welt würde um so vieles schöner sein. nur *leider* leben wir in einer globalisierten welt, die wirtschaftliche situation wird von global playern bestimmt, die sind, wie der name schon sagt, global. vereinfachungen, pauschalierungen, eindimensionale kulturdimensionen, die irgendein holländer mal anhand einer umfrage bei IBM-mitarbeitern erfunden hat - ausgerechnet IBM - bringen die welt nicht wirklich weiter. das individuum erst recht nicht. natürich bin ich durch die kultur, in der ich aufgewachsen bin, geprägt, natürlich ist diese kultur widerum geprägt durch geographische, klimatische, historische bedingungen. das ist common sense, da brauch ich keine IBM-umfragen, da brauch ich kein 5järiges studium, um diesen schluss ziehen zu können. vielmehr habe ich das gefühl, dass die beschäftigung mit dieser einteilung der welt in kleine, durch fähnchen abgsteckte gebiete in regionen zusammenfassbarer kultureller eigenheiten mich betriebsblind gemacht hat für das, was sich hinter den universitären fasaden der interkulturellen kommunikation verbirgt. deutschland hat eben nicht so wahnsinnig viele gesetze, weil das land eine kultur mit einer hohen unsicherheitsvermeidung ist (sofern ein nationalstaat auch eine kulturgemeinschaft ist. das kann sein, muss aber nicht, wie jeder hamburger und jeder bayer bestätigen können, ohen das jetzt irgendwie wertend zu meinen). deutschland wurde von interkulturellen wissenschaftlern der dimension "hohe unsicherheitsvermeidung" zugeordnet, weil es hier so viele schriftliche gesetze und regeln gibt. jetzt erklärt man die wirkung zur ursache und vóila, wir haben einen studiengang.


jetzt habe ich mich in der fußnote verloren und weiß nicht mehr, was ich eigentlich schreiben wollte.
es sollte um politik im cyberspace gehen. politische beteiligungsmöglichkeiten. die ein professor gleich mal in mitbestimmungsmöglichkeiten umbenannte. ich werde den teufel tun und mich mit einem terminologen um begrifflichkeiten streiten!
das internet als wunderwaffe gegen politikverdrossenheit.
das internet als schreckgespenst, das die öffentlichkeit fragmentarisiert.
dabei etwas vernachlässigt: was ist eine öffentlichkeit? gibt es die EINE öffentlichkeit?
und noch mehr vernachlässigt: was ist eigentlich das internet?


mitbestimmung online ist ja ganz toll, technik, die begeistert, möglichkeiten, die jeden politisch aktiven menschen zu feuchten träumen anregen, keine frage.
vernetzung, aktivierung, information, transparenz, grasroot-initiativen, dialog, interaktivität - schöne neue cyberwelt.


nur wenn wir das noch nicht einmal mehr offline schaffen, warum sollte es dann online funktionieren?


nur ein kleiner prozentsatz der menschen - auch in industrieländern, wo immerhin die technischen und infrastrukturellen möglichkeiten gegeben und *einigermaßen* gerecht verteilt sind - nutzt poliische angebote. schnurzegal, ob online oder offline. es interessiert einfach niemanden. wer weiß denn schon, dass in einer demokratie "das volk der souverän" ist? außer ein paar nerds, die dann auch noch wissen, das demos griechisch ist und volk bedeutet.
alle vier jahre wählen gehen, oder auch nicht, stimme abgeben, oder auch nicht, dann gucken, was man angerichtet hat und jammern, man könnte an der politik ja eh nichts ändern, "die da oben machen ja sowieso nur, was sie wollen." klar, wenn man sie lässt. weiß ja auch keiner, was das ist, was die "da oben" machen. viele wissen noch nicht mal, wer die "da oben" sind. oder warum die da sind. geschweige denn, wofür. oder was eine repräsentative demokratie ist. und was das bedeutet.
3.8.06 22:32


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